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                               Alltags-Geschichten

   

 

 

Es gibt unglaublich viele Momente, die uns richtig nahe gehen. Jede einzelne Begegnung hat ihre eigene kleine Geschichte und jedes Mal, wenn wir uns von unseren Frenden verabschieden und auf dem Weg nach Hause sind, schütteln wir fassungslos den Kopf, weil es nicht zu begreifen ist, wie viel Glück und Freude wir auslösen alleine durch unsere Anwesenheit, ein paar Gesten, eine Berührung, ein paar lustige Worte. Es ist noch kein Treffen vergangen (und darauf sind wir richtig stolz), bei dem wir das Lächeln, auf das wir so viel Wert legen, nicht doch hervorgezaubert hätten. Diese "Arbeit", so können wir mittlerweile sagen, macht süchtig. 

 

 

Am Vormittag des Seniorentanzes rief mich ein alter Mann an und fragte schüchtern, wie das bei einem solchen Tanz so abläuft. Ich nahm mir etwas Zeit und erklärte ihm mit netten Umschreibungen, wie schön und amüsant unsere Veranstaltungen sind. Durch diese lockere Plauderei taute der Mann ein wenig auf und erzählte mir, dass vor 25 Jahren seine Frau verstorben sei und er seitdem alleine lebt. Damals habe er sehr gerne mit seiner Frau getanzt – seit ihrem Tod jedoch nie mehr eine Tanzveranstaltung besucht. Ich konnte ihn davon überzeugen, dass er doch wenigstens einmal kurz bei uns vorbei schaut. Kurz nach 14 Uhr, der Saal war bereits gut gefüllt, kam ich beim Bedienen der Gäste zu einem Herrn, der alleine und etwas schüchtern am äußersten Ende Platz genommen hatte. Ich ahnte sofort, dass es der Anrufer war, ging lächelnd auf ihn zu und begrüßte ihn herzlich. Ja, ich freute mich sehr, dass er gekommen war. Auch er lächelte ein wenig. Ich wünschte ihm einen angenehmen Nachmittag und setzte meine Arbeit fort, behielt ihn jedoch immer wieder im Auge. Er tanzte nicht und er redete mit niemandem. Er saß fast regungslos da und schaute. Gelegentlich blieb ich eine kurze Weile bei ihm stehen und wir unterhielten uns. Nach ca. zwei Stunden sagte er zu mir, dass es keine gute Idee war zu kommen und er gerne gehen wolle. Ich weiß nicht, was ihn bewogen hatte zu bleiben. Vielleicht mein trauriges, enttäuschtes Gesicht, vielleicht meine Überredungskünste. Eine Weile später plötzlich sah ich ihn tanzen. Er hatte den Mut gefunden, eine Dame aufzufordern und tanzte sehr elegant mit ihr...und er lächelte. Auch mich bat er später um einen Tanz. Dabei erzählte er mir von seiner verstorbenen Frau und wie gerne sie gemeinsam tanzten. Dann spielte unser Musiker einen Rock'n Roll und mein Tänzer nahm etwas Abstand von mir und sagte „ach, wie haben wir früher dazu getanzt“ und begann völlig losgelöst seinen eigenen Tanz. Mir war kurz etwas komisch zumute, denn seine Bewegungen waren ungewohnt und auffällig, alle schauten uns zu. Doch dann sah ich den Glanz in seinen Augen, das Lächeln und seinen große Freude an diesem Tanz. Da waren mir alle Blicke egal und ich tanzte mit ihm in seine Welt. Danach sagte er zu mir „jetzt hat sich der Besuch für mich gelohnt“. Das Eis war gebrochen. Der alte Mann tanzte die restliche Zeit der Veranstaltung immer wieder. Zum Feierabend ergab es sich, dass die letzten Gäste - schon mit ihren Handtaschen im Arm - noch eine Zugabe vom Musiker verlangten und dieser eine Polonaise startete. Auf den gefertigten Fotos konnte ich später sehen, dass mein neuer Freund sich dieser lustigen Kette angeschlossen hatte...

 

 

Am Vormittag des Heiligabend hatte ich noch einen Besuch im Seniorenheim auf dem Programm. Als ich in den Eingangsbereich kam, saßen dort schon drei alte Herren bei guter Stimmung zusammen. So setzte ich mich gleich dazu und wir redeten einige Zeit in wirklich lockerer Athmosphäre. Dann kam der Fahrstuhl an und eine Frau trat heraus, die Arme hinten auf dem Rücken verkreuzt und lief Richtung Ausgang. Diese Frau ist 93 Jahre alt, zwar manchmal ein bisschen vergesslich, aber sonst recht gut drauf. Als sie an uns vorbei laufen wollte, sagte einer der Männer "Na Felicitas, was hast Du denn vor?". Felicitas blieb stehen, schaute uns an und sagte: "Was soll ich schon vorhaben. Ich gehe spazieren, das seht ihr doch." Sie konnte unser Lächeln und die ganze Vorweihnachtsstimmung nicht erwidern. Sie schaute fast regungslos und sagte dann: "Vor lauter Langeweile verliert man hier noch sein letztes bisschen Verstand." Es herrschte sekundenlang Stille - sie hatte recht. Doch dann begann derselbe Mann mit klarer und voller Stimme ein Weihnachtslied....ich stimmte sofort mit ein, es war die einzig richtige Reaktion. Nach ein paar Takten waren wir ein kleiner Chor im Vorraum eines Seniorenheimes, der ohne Nachzudenken, ohne Kommando und ohne Scham ein Weihnachtslied sang.

 

 

 

 

In einem Seniorenheim ist die Verpflegung der Bewohner bestens organisiert und man braucht sich über diese Thematik zumindest keinerlei Gedanken zu machen. So habe auch ich über die Ess-Gewohnheiten bis zu jenem Zeitpunkt keine Sekunde nachgedacht; bis zu dem Tag, an dem ein Heimbewohner mir diesen schlichten Satz sagte: "Ich würde sooooo gerne mal wieder richtige Bratkartoffeln mit Zwiebeln essen." Mir war kurz die Sprache weggeblieben, weil ich von diesem simplen Wunsch einfach überrumpelt war. Ich stotterte ein wenig herum, ob es denn keine Gemeinschaftsküche gäbe oder einen Herd für eben solche Sonderwünsche. Nach ein paar Sekunden echten Überlegens aber war mir klar: völlig unmöglich. Wie sollte das funktionieren? Ein Gas- oder Elektroherd, frei verfügbar für alle Heimbewohner......keine Chance. Tja, solche einfachen Wünsche, die wir uns jeden Tag zig-fach erfüllen, ohne auch nur einen Augenblick darüber nachzudenken oder uns daran zu erfreuen - solche Wünsche werden plötzlich riesengroß und unerreichbar. Wir haben diesem Mann zu seinem Geburtstag einen Gutschein geschenkt für eine Portion selbstgemachte Bratkartoffeln mit Lieferservice nach Wunschtermin. Er hat sie mit großer Lust verspeist und in den Augen stand "DANKE". Bratkartoffeln machen glücklich...man glaubt es kaum!

 

 

 

Ein 76-jähriger Mann, der nach zwei Schlaganfällen mit viel Mühe, Fleiß und Tapferkeit das Sprechen und auch das vorsichtige und langsame Gehen mit Hilfe eines Rollators wieder erlernt hatte, erzählte mir bei einem meiner Besuche, dass er sein Leben lang mit großer Leidenschaft Orgel gespielt und viele Gottesdienste begleitet hat. Ich bewundere ihn immer wieder für seinen Lebensmut...er spricht spontan ein schönes Gedicht oder singt mit heller Stimme ein altes Volkslied...automatisch singe ich mit und schon ist unser Lächeln zu sehen. Einmal sagte er: "Ich würde alles dafür geben, wenn ich noch einmal an einer Orgel sitzen könnte." Ich habe dann den Kontakt zu einem netten Pfarrer einer Nachbargemeinde aufgenommen und ihm davon berichtet. Er war ohne jegliche Diskussion sofort bereit zu helfen. So vereinbarten wir einen Termin in einer kleinen Kirche, bei der es einen zusätzlichen kleinen Eingang von der oberen Seite gibt, das heißt der Weg zur Orgel bestand lediglich aus zwei Treppenstufen. Der alte Mann war begeistert von dem Plan und so fuhren wir in Richtung Kirche. Der Pfarrer erwartete uns schon. Auch wenn der Weg zur Kirche über den Friedhof etwas mühevoll war und die zwei Treppenstufen eine große Herausforderung...das Ziel war schon in Sicht. Dann endlich saß der Mann an der Orgel. Er fachsimpelte mit dem Pfarrer über die Orgel-Arten und -Techniken. Dann spielte er. Ich saß mit dem Pfarrer an der Seite und wir lächelten. Wir lächelten nicht, weil die müden Finger des alten Mannes keine echten Melodien mehr spielen konnten - wir lächelten, weil wir merkten, was wir diesem Mann für einen unbeschreiblichen, schönen Moment geschenkt haben. Über die endlose Dankbarkeit des Orgel-Spielers brauche ich - so bin ich sicher - keine weiteren Worte zu verlieren.

 

 

Wir machten uns mit zwei Damen im Alter von 79 und 82 Jahren auf den Weg zu einem gemütlichen Café, außerhalb der Stadt am Waldrand gelegen. Es war ein herrlicher Sonnentag und die Fahrt dorthin ließ bereits erkennen, wie wohl sich alle fühlten. Die Anreise dauerte ca. 15 Minuten und alleine während dieser kurzen Zeit war schon so viel Harmonie und Glücksgefühl zu spüren, dass es kaum zu glauben war. Ständig erfreuten sich die "Mädels" an dem schönen Grün des Waldes – ein einfacher Fakt, der so viel Freude auslöste. Wir waren beeindruckt. Am Ziel angekommen, haben wir dann gemeinsam auf einer Holzbank unweit des Cafés in einem Garten Platz genommen, um eben diese Natur und auch die wohltuenden Sonnenstrahlen zu genießen. Wir durften schnell erkennen, dass diese Frauen zwar alt, aber sehr wohl noch pfiffig und witzig waren. Es wurde gelacht und gefoppt und ja sogar über die Flirterei gesprochen - alles war perfekt. Immer wieder, in jeder kurzen Gesprächspause, wurde eine Dankbarkeit zum Ausdruck gebracht, die uns peinlichst berührte. Nach einer kurzen Schweigezeit, alle hatten etwas durchgeatmet, legte die 82-jährige Frau, die neben mir saß, ihre Hand auf meinen Unterarm, drehte sich ein Stück zu mir und sagte: "Wissen sie, mein Mann ist vor vielen Jahren gestorben. Er liegt auf dem Friedhof in unserer Heimat, das ist über 200 Kilometer weit weg. Ich musste damals unseren Hof aufgeben und fortziehen. Seitdem war ich nicht mehr dort - das ist nun über 10 Jahre her. Es wäre mein einziger und größter Wunsch, ihn noch einmal an seinem Grab zu besuchen." Dabei sah sie mir tapfer in die Augen...

 

 

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